Jenseits des Vergessens

Blog von Amanda Koch

Was bedeutet mir die Phantastik?

Aug 242017

Oft werde ich in Interviews gefragt, warum ich genau diese Art des Schreibens gewählt habe oder mich nun der phantastischen Literatur stelle, um so wichtige Fragen des Lebens anzusprechen.
Es gibt mehrere Gründe. Die Phantastik unterstützt und fördert die Fantasie des Lesers, und das nicht nur bei Kinder und Jugendlichen. Für mich bedeutet fantastisch zu denken, keine Flucht aus der Alltagsrealität, sondern es ist ein Weg, um sich offen dem Leben zu stellen, weniger (Vor-) Urteile zu fällen, sondern nach dem Mystischen, dem Unsichtbaren und damit letztendlich nach dem Göttlichen zu suchen. Denn so kann ich mich dem paganen Glauben unserer Ahnen auf mythische Weise nähern und eben besonders durch die phantastische Literatur die uns bekannten Sichtweisen auf das Leben und die Welt(en) durchbrechen. Ich kann meinen Figuren einen visionären und konstruktiven Charakter geben, um sie hinter die Grenzen der alltäglichen Wahrnehmung blicken zu lassen. Das Fantastische in uns ist etwas, das uns als Kinder die Welt faszinierend macht. Erst durch unsere Konditionierungen verlieren wir diese Fähigkeit, die Welt und das Leben auf ganz verschiedene Weisen und damit als etwas Besonderes zu entdecken.

undefined

Absichtlich bewege ich mich in „Ildathach. Jenseits des Vergessens“ zwischen Fantasy und phantastischer Literatur, denn in Étaíns Leben kommen neben realistischen Elementen auch unwirkliche Begebenheiten mit Göttern und Geistwesen vor, die es zu verstehen gilt. In „Ildathach“ bleibt die Wirklichkeit Grundlage, auf der übernatürliche Dinge geschehen und an bestimmten Stellen ist der Übergang zur Fantasy fließend. Doch bleibt die Anderswelt/Parallelwelt immer abhängig von Étaíns Realität.
Aber letztendlich ist diese präzise Einordnung zweitrangig, denn es geht um das, was ich meinen Lesern mit meinen Geschichten schenken möchte: Und das ist eine differenzierte Sicht auf das Leben, ein Besinnen auf unsere Wurzeln und damit die Bereitschaft, sich dem alten Glauben zu öffnen, um dabei sogar die Kraft der Mythen zu spüren. Letzten Endes ist es der Beginn einer Suche. Einer Suche, die uns zu uns selbst führen kann, die uns zum Innehalten ruft, zu mehr Achtsamkeit, mehr Liebe und uns dem Geschenk der Geborgenheit im Fluss des Lebens nahebringt, um nicht länger ein Leben „Jenseits des Vergessens“ führen zu müssen.

Warum ich "Ildathach. Jenseits des Vergessens" schrieb

Aug 112017

Als ich mein erstes Kind gebar, veränderte das nicht nur den Rhythmus in meinem Alltag. Allein die Schwangerschaft und die Geburt waren tiefgehende Erfahrungen. Mehr und mehr begann ich eine Sehnsucht in mir zu spüren. Ich suchte nach den Geheimnissen des Lebens und die Jahre vergingen, in denen die Fragen tiefgehender wurden, mein Blick sich auf das alte Wissen veränderte, und noch immer treibt mich die Suche nach den Mysterien des Lebens an. Ich habe längst nicht alle Antworten gefunden. Doch glaube ich, dass alle Antworten, nach denen wir irgendwann suchen, tief in uns liegen und wir uns nur daran erinnern müssen. Und um das zu tun, müssen wir uns auch unserer Wurzeln erinnern und uns darauf besinnen. Dazu gehört ebenso das Vermächtnis unserer Vorfahren mit ihren Schriften, die wir nicht vergessen dürfen. Denn es sind nicht nur die Religionen, die Antworten geben, sondern auch der (pagane) Glaube unserer Ahnen.

undefined

Auf meinen eigenen Reisen haben mir die nordischen Landschaften, insbesondere jene Irlands, Schottlands, aber auch Südenglands und die Inseln in der Irischen See, sehr geholfen, zu meinen Wurzeln zu finden. Die Landschaften und der Atlantik dort haben für mich nicht nur etwas Magisches, sie brachten mich dazu nach alten Zeichen zu suchen. Und so begann ich wieder in den Mythen zu lesen. Geschichten, die ich als Jugendliche bereits verschlungen hatte, zeigten mir in meinem Inneren plötzlich ganz andere Bilder und brachten mich einem tieferen Verstehen näher.
So sehe ich in dem Erbe, das die keltischen Stämme uns hinterlassen haben, einen Hinweis auf die Tiefe des Lebens. Nicht nur in den Symbolen, den steinernen Ruinen oder Steinkreisen, sondern eben auch in den alten Erzählungen. Denn ich finde darin Antworten auf Fragen, die das Leben stellt.
Und je mehr ich lese, mit den Schriften der Religionen vergleiche, desto mehr verstehe ich, dass es immer nur spezifische Bilder und Worte sind, die die Kraft unserer Seele und den Kreislauf des Lebens (Leben, Tod und Wiedergeburt) erklären. Das ist jene Wahrheit, nach der ich all die Zeit gesucht habe.
Dies brachte mich dazu einen Roman zu schreiben, der einen keltischen Mythos in unsere moderne Welt transportiert. Es ist eine Geschichte, die sowohl das logische Denken in uns zeigt als auch das Fühlen unseres Herzens. Es ist ein Buch, mit der wir uns an die Kraft unserer Seele erinnern können, um letztendlich eine Wahrheit zu erkennen, die wir nur selbst in uns fühlen können.
Das keltische Denken schloss in allen Mythen immer etwas Geheimnisvolles ein, etwas, das sich nur erfühlen lässt. Das ist es, was mich an den nordischen Mythen am meisten fasziniert. Es geht um die geheime Welt der Seele, für die es eine weitere Ebene gibt. In „Ildathach. Jenseits des Vergessens“ ist das die Anderswelt.
Meine Trilogie „Die Wächter von Avalon“ war mein erstes Eintauchen in dieses Verstehen der mythischen Worte. Und nun mit meinem neuen Roman, der sich den „Schleiern des Vergessens“ widmet, bin ich weiter in die Seelenwelt eingetaucht und beschreibe einen Weg, wie wir anders mit unseren Ängsten und Emotionen umgehen können. Ohne das Heilige um und in uns zu erkennen und zu respektieren, verlieren wir uns selbst und verkennen den wahren Sinn des Lebens.

Ich wünsche jedem meiner Leser ein Eintauchen in den Mythos und das Gefühl des Getragenseins.

Worte aus dem Roman Ildathach

Jul 032017

Ich wirke ein Kleid aus dem Brodem der Irischen See. Beinahe muss ich lachen, so einfach ist das Wasser zu beherrschen. Unzählige einzelne Tropfen gehorchen mir, und so webe ich im Licht der Sonne den magischen Stoff, der meinen Körper beschützen wird. Faden um Faden spinne ich um mich. Die Wassertropfen umschließen meine langen Beine, meine Taille, und fließen schließlich bis nach oben zu meinem Hals. Dort verbinden sie sich zu einem hohen Kragen, bevor sie sich an meinen Armen hinunter winden. Noch schimmern sie wie Glas im Licht. Aber schon mit meinem nächsten Atemzug beginnen sie zu schwingen. Denn ich bin mein Atem selbst. Mit jeder Bewegung pulsiert mein Element und formt mich. Doch ich brauche mehr. Ich drehe mich, murmle uralte Worte und breite dabei die Arme aus, um mit den Händen jene Bewegung auszuführen, die die Wassertropfen zu grauem Nebel wandelt. Aus einem Nebelhauch weichen Schwaden, dicht und grau quellen sie um mich, bis sie meinen schlanken Körper perfekt umspielen. Nun trage ich ein Nebelkleid, durch das mein Atem pulsiert und den Saum wie im Wind wehen lässt. Und in dem Augenblick weiß ich es: Ich bin stärker geworden. Stärker, als es je ein Wesen der Luft war, und endlich bereit mein Geburtsrecht von der Hohen Göttin zu fordern. Ich muss nur schnell genug handeln.

undefined

Ich raffe mein Nebelkleid und schwebe über die Wogen dem Ufer entgegen. Wellen streifen meine Füße, und zugleich greifen aus Wasser geformte Hände nach mir. Diese lästigen Meerwesen. Wild zerren sie am Saum meines Kleides, als wollten sie mich festhalten. Doch es ist nur ein erbärmlicher Versuch, ihrem Gott zu gehorchen. Hier vor der Insel hat Lir keine Macht. Und so erreiche ich das Ufer problemlos. Ich betrete den Kiesstrand von Calf. Dabei sehe ich sie schon. Die Menschenfrau steht ganz in der Nähe des Cottages.

(c) Amanda Koch aus Ildathach - Jenseits des Vergessens. Das Buch erscheint am 1. August. Bei fehu http://www.fehu-fantasy.de/buecher.html ist es vorbestellbar. Die Auslieferung erfolgt ab 17. Juli. Signierte Bücher werden am 31.7 versendet. 

 

Avalon und die Anderswelt

Okt 302016

Viele Sehnsüchte ranken sich um Avalon. Die magische Insel, die verborgen hinter Schleiern aus Nebeln in der Anderswelt liegt.
Der Legende nach gab es eine heilige Insel im alten südlichen Britannien. Sie wurde Avalon genannt und galt als die Insel der weisen Priesterinnen und Druiden. Sie lebten dort die Einheit von Himmel und Erde, von Menschlichem und Göttlichem in der Verbundenheit mit der Natur. Avalon war ein Ort magischer Energie, des Wissens und Studierens und der Einweihung in die Geheimnisse des Lebens … es war ein Ort, an dem die große Göttin und das Licht in allen Dingen geehrt wurden. Avalon befand sich dabei zwischen den Dimensionen der Welten und entrückte über all die Jahrhunderte immer mehr in die Schleier des Nebels, die nur Eingeweihte durchdringen konnten, um von Glastonbury (jenem Ort, der einst eine Insel im Marschland von Sommerset war) ans andere Ufer nach Avalon zu gelangen.
Nun sind die Schleier so dicht, dass wir diesen Ort als Sehnsucht in uns spüren, denn der Zauber und die Liebe Avalons werden nie verblassen. Die heilige Insel ist gegenwärtig und nicht eine bloße Legende. Denn Avalon steht symbolisch für einen Weg, der uns helfen kann, die eigenen Schleier des Nebels, hinter denen Vergessenheit liegt, zu lichten. Diese alten Worte der Legende verbildlichen und sprechen von einem besonderen Weg des Seelenwachstums auf der Suche nach der eigenen Bestimmung und nach dem Sinn des Lebens.
Beginnt man sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, kann das Bild der Anderswelt der Kelten mit ihren vielen Geheimnissen und Unendlichkeit des Göttlichen und mythischer Vielfalt genau wie das der Schamanen, uns Antworten geben. Denn die Anderswelt hat im geistigen Sinn ein Ziel: Dich selbst zu spüren und wahrzunehmen. Herauszukommen aus der irdischen Welt in deine Welt der Stille um der Intuition zu lauschen, der Kraft, die in uns lebt und uns jene Wege zeigt, die für dieses Leben zu uns gehören.

undefined