Jenseits des Vergessens

Blog von Amanda Koch

Rauhnächte

Dez 242017

Die nun folgenden Rauhnächte (vom 24/25 Dezember bis 5/6 Januar) tragen viel Magie und Wunderbares in sich. Es sind Tage und Nächte zwischen den Zeiten, denn sie sind die Differenz zwischen dem Sonnenjahr und dem Mondjahr.
Du kannst all das Geheimnisvolle in der Natur beobachten und in dir selbst. Es ist eine wunderbare Zeit für Meditation und die noch verbleibenden dunklen Nächte helfen uns in die Stille zu gehen, um all das zu reflektieren, was uns ausmacht.
Es gibt viele Rituale, die du in den Rauhnächten tun kannst, auch kannst du den weiblichen Archetypen in Meditationen begegnen. Du kannst diese Zeiten aber auch einfach spüren und im Fluss deiner Lebensenergien fließen, deine Träume aufschreiben, Tagebuch führen, um dir deiner Gedanken bewusst zu werden. Altes kann in den Zeiten losgelassen werden, damit sich Neues manifestieren kann.
Spüre in die Kraft deiner Seele. Du bist ein Kind von Himmel und Erde. Du bist ein Kind des Lichtes und der Liebe … spüre in zu deinem Herzen, öffne dich für die Liebe und sei bereit Liebe zu geben.

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Für mich ist diese Zeit schon immer eine der wichtigsten des Jahres. Mein Urgroßmutter riet mir auf meine Träume zu achten und liebevoll zu mir selbst zu sein und zu anderen. Bleibe immer in der Kraft deines Herzens und in der Liebe … und beobachte … dich selbst … und die anderen. 

Heute weiß ich, dass in dieser Achtsamkeit der größte Zauber des Lebens liegt. In der Liebe bleiben und dem Fluss des Lebens folgen. Eins der größten Geheimnisse des Lebens.

Die alte Frau des Winters

Jan 202017

Kalt berührt die Luft mein Gesicht. Rasch ziehe ich meinen Umhang enger und schaue über den See. Eisig und geheimnisvoll liegt er vor mir und der Hauch meines Atems vermischt sich mit den näher kommenden Nebelschwaden. Wie ein Schleier webt der seine Magie über das Wasser, züngelt mir entgegen und lässt mich das andere Ufer kaum erahnen.
In der Nacht ist der erste Schnee gefallen. Leise knirscht er unter meinem Tritt. Nun hat die alte Frau des Winters das Land wieder fest in ihrer Gewalt. Sie legt erneut ihre bedrückende Stille über die Felder, die Berge und selbst den See und verwandelt dort das ufernahe Wasser zu Eis. Bewegungslos starre ich auf das gefrorene Schilf. Um die dicken Halme wächst eine Eisschicht während die Kälte des Winters jeden von ihnen auf ihre eigene Weise gefangen hält, so wie sie auch mich für den Moment einfriert.
Kann ich dieser Welt wirklich entkommen? Heute? Unter der Herrschaft von Cailleach?
Zögernd wage ich einen Schritt nach vorn. Unter meiner Last ächzt das Eis am Ufersaum als die grauen Nebel höher wallen. Immer dichter verdecken sie mir die Sicht in den feuerrot getränkten Winterhimmel, der mich nichts von seiner Wärme spüren lässt. Selbst die Kraft des Feuers ist unter der Herrschaft der alten Frau machtlos. Kalt lässt sie den Hauch des Winters über den See wehen. Ich friere und höre leise das Seegras rascheln. Sanft beugt es sich zu mir, als würde es im Wind uralte Worte flüstern, nur um mir das Verborgene im Nebel anzukündigen.
Die magischen Nebel, denke ich und blicke in den wallenden Dunst. Dabei schwappt eine Welle über die Eisscholle und tränkt den Saum meines Kleides. Mehr und mehr kräuselt sich die Wasseroberfläche während der Nebel feuchtkalt meine Wangen küsst, und mir sogleich den nächsten Schauder über den Rücken jagd. Schnell ziehe ich die Kapuze tiefer und lausche der Stille und dem Flüstern. Doch mein wilder Herzschlag übertönt alles und ich weiß, dass ich mich nicht länger gegen den Traum aus letzter Nacht wehren kann.
Mit einem Mal schlagen mehr Wellen ans Ufer. Ich trete einen Schritt zurück. Kaum noch spüre ich meine Zehen in dem kalten Leder der Stiefel und sehne mich nach der Wärme des knisternden Feuers in meiner Hütte. Sehnsüchtig schaue ich zurück, suche nach dem Weg, den ich gekommen bin. Doch die Nebel haben mich bereits eingehüllt und zeigen mir nichts mehr von der Welt der Menschen. Gibt es schon jetzt kein Zurück mehr? Und unterliege ich bereits der Macht meines Traumes? Schmerzhaft dringen Zweifel in meinen Bauch und mir wird übel. Ich kann das nicht. Unmöglich kann ich die Grenze nach Avalon überschreiten.

(c) Amanda Koch

Die Zeilen entstanden als ich die Trilogie "Die Wächter von Avalon" schrieb. Sie sind nicht lektoriert und zeigen eine andere Perspektive - nämlich die von Nagaina. Durch diese und viele andere Zeilen wuchs ich in ihr Fühlen und ihren Charakter hinein.

 

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